Zum Inhalt

Die Laterne der Natur – wenn Blüten leuchten

    In einem meiner letzten Blogbeiträge habe ich die Nachtkerze schon mal erwähnt. Dabei hab ich mich allerdings auf ihre Eigenschaft beschränkt, sich ihren Platz im Garten selbst zu suchen. Heute möchte ich ein bisschen tiefer in die Nachtkerze einsteigen, denn sie ist wirklich eine faszinierende Pflanze – auch wenn ich sie manchmal in ihre Schranken weisen muss.

    Die Nachtkerze (Oenothera biennis) ist keine heimische Pflanze, sondern kam im 17. Jahrhundert aus Nordamerika zu uns. Sie ist recht ausbreitungsfreudig und ist daher alsbald aus den Gärten ausgebüxt und heute findet man sie häufig verwildert an ihr passenden Standorten. Obwohl sie ein Neophyt ist, gilt sie dennoch (zumindeset derzeit) nicht als invasiv. Sie produziert zwar wirklich viele Samen, aber da sie nur zweijährig ist und nicht mehrjährig, lässt sie sich trotzdem recht gut kontrollieren. Zudem besiedelt sie als Pionierpflanze offenen Boden und verschwindet wieder, sobald sich der Standort verändert.

    Die Samen sind übrigens heilkundlich der wertvollste Teil der Pflanze. Aus ihnen wird das begehrte und teure Nachtkerzenöl gepresst, das vielfach Anwendung bei Hautkrankheiten, auch bei Neurodermitis, findet. Persönlich verwende ich die Nachtkerzensamen getrocknet als Topping für den Salat oder auch beim Brotbacken – entweder direkt im Teig oder als Deko oben drauf.

    Wurzel und Blätter sind ebenfalls essbar – die Blätter sind beim Zerkauen leicht schleimig und sind eine interessante Zugabe zum Salat. In der Wurzel wiederum steckt angeblich mehr Kraft als in zwei  Zentnern Ochsenfleisch; man kann sie entweder roh essen – zum Beispiel geraspelt über den Salat – oder kochen. Dann läuft sie rötlich an, was der Nachtkerze den Beinamen Schinkenwurz eingebracht hat.

    Am liebsten verwende ich aber die Blüten. Einerseits als farbige Zugabe für einen Wildkräutersalat, aber noch lieber zu Sirup verkocht oder als Likör angesetzt. Der schmeckt wunderbar honigartig – ein echtes kulinarisches Highlight!

    Die Blüten bzw. deren Farbe sind im Übrigen auch verantwortlich für den Namen „Eisenbahnerlaterne“, unter dem die Nachtkerze ebenfalls bekannt ist. Weil die Blüten sich in der Abenddämmerung öffnen – übrigens rasend schnell, man kann wirklich dabei zuschauen! – und die Pflanze zudem gern an mageren Standorten wie zum Beispiel Bahndämmen wächst, hat sich dieser Spitzname etabliert. Jede Blüte ist außerdem nur für eine einzige Nacht geöffnet. Am Morgen beginnt sie zu welken. Durch die vielen Blüten an jeder Pflanze zieht sich die Blütezeit trotzdem oft über einen Monat hin – jeden Abend aufs Neue ein sehenswertes Schauspiel und zudem eine wertvolle Nahrungsquelle für Nachtfalter. Ich kann mich oft gar nicht satt sehen am Erblühen der Nachtkerze – einer meiner persönlichen Höhepunkte in jedem Gartenjahr.