Ihr seht schon an der Überschrift – die Gundelrebe (Glechoma hederacea) hat viele Gesichter. So klein und unscheinbar sie vor allem außerhalb ihrer Blütezeit (die dauert ungefähr von April bis Juni) daherkommt, so sehr hat sie es in sich.
Zum Beispiel wird sie aufgrund ihrer Blütenfarbe zu den Gewitterpflanzen gezählt, so wie alle blaublütigen (was ein Wortspiel!) Pflanzen. Dabei ist sich die Überlieferung aber nicht ganz einig, ob dieses Blau Gewitter, und insbesondere Blitze, nun anzieht oder davor schützt. Ich hoffe jedenfalls, letzteres stimmt, denn von allen Blütenfarben mag ich blau am liebsten und habe dementsprechend viele blau blühende Pflanzen ums Haus 🫣
Ob wegen der blauen Blüten oder auch wegen anderen Eigenschaften – die Gundelrebe galt bei den Germanen als Zauberpflanze, und zwar als mächtige. In ihr lebt der Überlieferung nach ein mächtiger, guter Pflanzengeist, der so manchen Schaden abwehren kann. Da in alten Zeiten auch Krankheiten manchmal bösen Geistern zugeschrieben wurden, so überrascht es wohl nicht, dass man die Gundelrebe dem Vieh gegen Krankheiten aller Art gegeben hat.
Als dann später die katholische Kirche in Sachen Glaube am Zug war, wurde diese Überlieferung in die damalige Zeit übernommen und entsprechend angepasst: die Gundelrebe wurde in Schriften aus jener Zeit sehr oft als „Erkennungskraut“ genannt, nämlich, dass man mithilfe eines Gundelreben-Kranzes, der an Walpurgi (30. April) gesammelt wurde und den man sich hernach auf den Kopf setzen musste, am folgenden Tag Hexen erkennen konnte – also die nach damaligem Glauben Schaden verursachenden Personen. Hier findet sich also in anderer Form wieder, was aus einer früheren Kultur übernommen wurde.
Tatsächlich hat die Gundelrebe (auch Gundermann genannt) etliche Inhaltsstoffe dabei, die so manchen körperlichen Schaden abwenden oder lindern können. Durch die enthaltenen Saponine zum Beispiel wirkt sie schleimlösend (so wie zum Beispiel auch die Schlüsselblume) und so kann man eigentlich das ganze Jahr über ein paar frische Blättchen naschen wenn man Bedarf hat – Gundelrebe ist nämlich sogar häufig im Winter frisch und grün zu finden. Alternativ lassen sich die Triebe natürlich auch trocknen; gesammelt wird während der Blütezeit.
Ich verwende ein paar Blättchen immer auch gern in einer Kräutermischung, sei es für Salz oder als Beigabe in einem Salat – aber wirklich immer nur ein paar Blättchen, denn durch den intensiven Geschmack kann es schnell zu viel des Guten sein. Tatsächlich habe ich auch einmal von einem Fall gehört, bei dem Pellkartoffeln wirklich ungenießbar geworden sind, weil man zu viel von der Gundelrebe zum Würzen genommen hat. In Maßen bringt die Gundelrebe allerdings eine interessante Note in Kräutermischungen – probier’s am besten mal selbst aus!
