Momentan blüht in unserem Garten ein echter Frühlingsschatz: die Traubenkirsche. An sonnigen Tagen legt sich ihr Duft wie eine schwere, fast greifbare Decke über alles – süß, ein wenig wie Flieder, aber tiefer, dunkler, mit einer feinen Bittermandelnote, die ihn unverwechselbar macht. Es ist einer dieser Düfte, denen man ganz automatisch folgt weil man unbedingt wissen will, woher er kommt.
Und tatsächlich: Wenn man sich von der Nase leiten lässt, steht man bald vor einem strauchartig bis kleinbaumartig wachsenden Gehölz, das mehrere Meter hoch wird und mit der Zeit schon ein bisschen Platz für sich beansprucht. Man kann die Traubenkirsche auch gut in eine Wildsträucherhecke pflanzen (für die braucht man ohnehin ein bisschen Raum). Die Traubenkirsche gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und ist damit mit uns so vertrauten Pflanzen wie Kirsche, Apfel und Schlehe verwandt – auch wenn sie auf den ersten Blick deutlich zurückhaltender wirkt. Ihre Blätter sind eher unscheinbar: eiförmig, leicht zugespitzt, fein gesägt am Rand und in einem satten Grün. Nichts, was sofort Aufmerksamkeit fordert.
Und dann plötzlich doch: Denn zur Blütezeit ist von Zurückhaltung keine Spur mehr. Das Gehölz ist über und über mit cremeweißen, länglichen Blütenrispen bedeckt, die in dichten Trauben herabhängen. Genau diese Blüten sind es, die nicht nur den intensiven Duft verströmen, sondern der Pflanze auch ihren Namen geben. Aus ihnen entwickeln sich später die kleinen, kirschartigen Früchte, die – ganz dem Namen entsprechend – in traubenähnlichen Büscheln am Strauch hängen.
Doch so lange müssen wir gar nicht warten. Schon jetzt, während der Blüte, lässt sich die Traubenkirsche wunderbar nutzen. Ähnlich wie Holunderblüten – nur ein wenig früher im Jahr – eignen sich ihre Blüten hervorragend für die Verarbeitung in Sirup oder Gelee. Und das Beste: Man braucht erstaunlich wenig davon. Bereits zwei Handvoll Blüten reichen aus, um etwa einen Liter Sirup oder Gelee herzustellen – eine köstliche, leicht herbere Alternative zum klassischen Holunder.
Wie genau das funktioniert , findest du unten in den Rezepten.
Und genau mit diesen beiden Rezepten hat sich die Traubenkirsche in mein Herz geschlichen – ich hab lange gebraucht, um sie zu entdecken, aber nun möchte ich sie nicht mehr missen und freue mich jedes Jahr darauf, wenn der süße Geruch endgültig den Beginn der Erntesaison ankündigt.
