Bei uns in Vorarlberg herrscht – auch in Bezug auf Gärten – oft die Vorstellung, dass alles möglichst ordentlich und aufgeräumt sein sollte. Entsprechend kann man viele Gärtner:innen im Herbst dabei beobachten, wie sie emsig jedes herabfallende Blatt zusammenrechen, Totholz entfernen, verblühte Blumen zurückschneiden und alles wegräumen, was scheinbar „herumliegt“.
Wir in der Permakultur gehen bewusst einen anderen Weg und verschieben den Gartenputz auf das späte Frühjahr. Die Reaktionen darauf schwanken meist zwischen Unverständnis und Entsetzen – wie kann man den Garten nur so unordentlich aussehen lassen? Ganz einfach: Das hat mehrere gute Gründe.
Zum einen bieten herumliegende Äste, Stängel und totes Laub einer Vielzahl von Tierarten einen wichtigen Rückzugsort für den Winter. Insekten und Spinnen können sich darin verkriechen und Schutz vor der Kälte finden, während Igel unter Laubhaufen ihren Winterschlaf halten.
Ein weiterer Grund ist die Wirkung auf den Boden. Das Laub, das über den Winter liegen bleiben darf, verrottet langsam und führt dem Boden wertvolle Nährstoffe zurück. Regenwürmer ziehen die Blätter aktiv in ihre Gänge und nutzen sie in der kalten Jahreszeit als Futtervorrat. Durch ihre Ausscheidungen stehen diese Nährstoffe im Frühjahr wieder den Pflanzen zur Verfügung, die sie für ihr Wachstum brauchen. So wird unser Garten im Winter ganz nebenbei von unseren fleißigen Helfern gedüngt – und wir müssen dafür nichts tun. Nicht schlecht, oder? Tatsächlich ist im Frühjahr deutlich weniger Laub vorhanden als noch im Herbst, und wir haben wesentlich weniger Arbeit mit dem Zusammennehmen.
Als Permakulturist:innen pflegen wir einen naturnahen Garten. Das bedeutet auch, dass unsere Pflanzen – wenn sie möchten – in einem gewissen Rahmen „wandern“ dürfen und sich ihren Standort selbst aussuchen. Erfahrungsgemäß sind genau diese Pflanzen am widerstandsfähigsten und benötigen am wenigsten Pflege – wieder ein Plus für uns Menschen. Deshalb erlauben wir Blumen und Kräutern, sich zu vermehren. Das funktioniert allerdings nur, wenn sie auch Samen bilden dürfen, und das tun sie nun einmal nach der Blüte. Würden wir alle verwelkten Stängel sofort entfernen, könnten wir uns im Frühjahr nicht an jener Pracht erfreuen, die sich ganz ohne unser Zutun im Garten entfaltet.
Eine meiner liebsten „Wanderpflanzen“ ist ein kriechender Thymian, der ganz von selbst am Wegesrand aufgetaucht ist und von Jahr zu Jahr größer wird. Auch der wilde Dost erobert sich jedes Jahr neue Plätzchen – und ich freue mich jedes Mal, wenn ich wieder einen neuen entdecke.
Und last but not least finden wir, dass trockene Blütenstände und Samenstände auch im Winter – vielleicht sogar mit einer zarten Schneehaube – einen wunderschönen Anblick bieten. Findet ihr nicht auch? Die Reste des Alants auf dem Foto beweisen das, wie ich finde, eindrucksvoll.
Aufgeräumt wird in unserem Permakultur-Garten daher erst Mitte bis Ende April: dann, wenn es wieder wärmer wird, die Insekten ihre Überwinterungsplätze sicher verlassen haben und wir den jungen Pflanzen Licht und Luft verschaffen.
