Zum Inhalt

Kraut der Extreme – geliebt oder verhasst

    Wohl kaum ein Kraut polarisiert so sehr wie der Fenchel – entweder man liebt ihn oder man hasst ihn, Gleichgültigkeit scheint es kaum zu geben. Man muss aber auch zugeben, dass der Geruch sehr intensiv ist – und eigentlich auch unverwechselbar. Damit ist er einer der Pflanzen aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae), die man relativ leicht erkennen kann (und auch wegen seiner gelben Blüten; die meisten Doldenblütler blühen weiß).  Bei uns wächst der Gewürzfenchel seit Jahren am Rand des Gemüsebeets, eigentlich schon auf dem Kiesweg und genau dort fühlt er sich auch in der Natur wohl. Er liebt die volle Sonne und mageren, durchlässigen Boden. Dann entwickelt er sich zu einer mächtigen Pflanze, die sofort auffällt.

    In Indien habe ich den Fenchel als Tischgewürz kennengelernt. Dort stehen zu jedem Essen kleine Schälchen mit grobkörnigem Zucker und Fenchel auf dem Tisch, aus denen man nach dem Essen  mit dem Löffel oder den Fingern eine kleine Menge nimmt und sie gut kaut. Das fördert die Verdaulichkeit der oft stark gewürzten Gerichte.

    Auch bei uns ist der Fenchel für seine verdauungsfördernde und blähungswidrige Wirkung bekannt. Schon für Babys gibt es Fenchel-Bäuchlein-Öl, das man mit sanften kreisförmigen Bewegungen einmassieren kann. Weniger bekannt ist vielleicht der Einsatz als schleimlösendes Helferlein in Erkältungszeiten – sowohl innerlich als Tee oder Tinktur als auch äußerlich zum Beispiel als Teil eines Erkältungsbalsams. Verwendet werden dafür die Samenkörner des Fenchels. Sie lassen sich im Spätsommer leicht ernten – einfach die Dolden abschneiden und luftig im Schatten trocknen lassen. Letztes Jahr habe ich sie im Windfang vor der Haustür ausgelegt – der Geruch war wirklich atemberaubend 😊

    In der Antike war er nicht nur eine wichtige Heilpflanze sondern auch – vielleicht auch wegen seines starken Duftes – Bestandteil eines Heiltrankes gegen den Teufel selbst und natürlich auch gegen andere Dämonen. Man konnte Kindern auch ein Säckchen mit Fenchelsamen um den Hals hängen, das sollte vor dem bösen Blick schützen. Das kommt auch in dem berühmten Buch „Till Eulenspiegel“ vor, dem die Hebamme den Fenchel gebracht haben soll.