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Problematischer Neophyt oder Heilpflanze?

    Wer kennt sie nicht, die eleganten weißen Blütenköpfe, die hoch über den restlichen Kräutern zu schweben scheinen und sich sanft im Wind wiegen? Das ist das Berufkraut, Erigeron ssp., auch Feinstrahl oder Greisenblume genannt. Die Blüten sehen ein wenig aus wie Gänseblümchen, aber wer genau hinsieht, erkennt, dass die weißen Zungenblüten um ein Vielfaches feiner sind als beim Maßliebchen – und sie sitzen eben auch viel höher oben. Das Berufkraut erreicht nämlich Höhen von bis zu einem Meter während das Gänseblümchen mit einem Platz sehr viel weiter unten vorlieb nehmen muss.

    Es gibt mehrere Unterarten des Berufkrautes; am bekanntesten dürfte das Einjährige oder Kanadische Berufkraut sein, die aus Nordamerika zu uns eingewandert sind. Es wächst ein- bis zweijährig als Pionierpflanze an sogenannten Ruderalstandorten, also an Wegrändern und anderen mageren Standorten.

    Obwohl es sich in Europa um invasive Pflanzen handelt (also solche, die sich massenhaft ausbreiten und dabei die ursprüngliche Vegetation unterdrücken), haben sie in ihrer Heimat Nordamerika doch eine Tradition als Heilpflanzen und können als solche auch bei uns genutzt werden. Dabei ist nicht so wichtig, dass man die einzelnen Arten genau voneinander unterscheiden kann, sie haben alle ähnliche Inhaltsstoffe. Die indigenen Völker Nordamerikas verwendeten das Berufkraut zur Blutstillung (das liegt nahe, denn die Pflanze ist gerbstoffhaltig) und zur Unterstützung der Durchblutung. Gerbstoffe wirken zusammenziehend, das macht sie auch für Durchfälle interessant.

    Obwohl bei uns erst seit wenigen hundert Jahren ansässig, haben sich Berufkräuter (das kommt vom „beschreien“ oder „berufen“ gegen böse Geister und Hexen) als Räucherwerk gegen böse Anfeindungen und im Stall aufgehängt als Schutz vor Blitzschlag etabliert.

    Wenn man die Pflanzen also aus dem Garten entfernt (am besten vor der Blüte, spätestens aber vor der Samenbildung), dann kann man sie genauso gut verwenden – sogar essbar wären sie!