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Heilpflanze und Würzkraut am Wegesrand

    Einst sollte ein Mädchen von seiner Patin das Zaubern lernen. Diese aber hatte zu diesem Zweck den Teufel eingeladen. Die Mutter des Mädchens wurde argwöhnisch, und weil sie selbst eine kundige Frau war, so nähte sie der Tochter heimlich Dost in die Schürze.
    Wie nun das Mädchen im Haus der Patin war und der Teufel eintraf, roch dieser sofort das Kraut und schrie erbost: „Roter Dost! Hätt ich dich gewosst, hätt ich dich vernommen, wär ich nicht gekommen!“ Er fuhr von dannen und ward in dem Ort nie mehr gesehen.

    Diese Erzählung zeigt, wie sehr der Dost in der Volksmagie verwurzelt ist und auch, dass er offenbar schon lange heimisch ist. Tatsächlich wächst der wilde Bruder des Majoran ganz unkompliziert auch in Mitteleuropa. Wir haben seit Jahren Dost im Garten, er benötigt an den unterschiedlichsten Standorten keine Pflege und vermehrt sich selbst durch Aussaat. Die älteste Pflanze wächst auf lehmigem Boden im Halbschatten und wird zuverlässig jedes Jahr so groß, dass wir mit Ernten kaum nachkommen. Mittlerweile haben wir weitere Pflanzen rund ums Haus, im mageren Boden am Wegrand, mitten im  Beet, in Töpfen, praktisch überall. Und das Tolle ist, tatsächlich müssen wir keine von ihnen gießen oder sonstwie pflegen, sie gedeihen prächtig von ganz allein.

    Der starke Geruch, den der Teufel in der Eingangsgeschichte sofort vernommen hat, verdankt die Pflanze dem hohen Gehalt an ätherischen Ölen – bis zu 4% an geeigneten Standorten! Diese Öle machen den Dost so interessant als Würzkraut, vor allem auch bei schwerem Essen. Er kann überall eingesetzt werden wo man auch Majoran oder Oregano nehmen kann.

    Dost kann aber auch sehr gut als Heilkraut verwendet werden – er wirkt antiseptisch, schleimlösend, blähungstreibend und krampflösend. Ideal also für alle Krankheiten der oberen Atemwege und Magen-Darm-Geschichten. Sogar bei Hühnern soll er gute Erfolge bringen und deren Immunsystem anregen (dazu den getrockneten Dost im Winter fein zermahlen und unters Futter mischen – oder statt des Wassers einfach mal einen Tee anbieten). Meinen Hühnern hat es bisher jedenfalls nicht geschadet 😉

    Dost lässt sich sehr gut trocknen; die oberen Triebspitzen vor und während der Blütezeit abschneiden (meist ab Mai bis Juli) und im Schatten schonend trocknen. Wenn man regelmäßig erntet, treibt die Pflanze zuverlässig immer wieder aus und man hat praktisch die ganze Vegetationsperiode frische Blätter zur Verfügung.

    Getrockneter Dost lässt sich zu Tee (mit den oben beschriebenen Anwendungsmöglichkeiten) verarbeiten, aber auch zu Kräuterkissen oder als Räucherkraut, wo er gern als Kraut zur Abwehr negativer Energien verwendet wird.

    Ich persönlich verwende Dost am liebsten im Salat – und zwar indem ich einfach die Blättchen einzeln hineinzupfe – die würzigen Noten schmecken zwischen milden Salatblättern einfach himmlisch!