Diese zu Anfang so unscheinbare Pflanze ist auch einer meiner besonderen Lieblinge im Garten. Als zweijährige Pflanze bildet sie zunächst nur eine kleine Rosette flach am Boden liegender Blätter aus, spitz zulaufend und manchmal mit rotem Rand. Erst zu Beginn des zweiten Jahres treibt sie dann einen oder mehrere Sprosse in die Höhe – und dann beginnt im Sommer ein Schauspiel, das in der Pflanzenwelt seinesgleichen sucht. Jede Nacht erblüht die Nachtkerze aufs Neue – jede Blüte nur eine einzige Nacht lang. Dem Öffnen der Knospen kann man tatsächlich zusehen – innerhalb weniger Minuten öffnet sich eine strahlend gelbe Blüte mit wunderbarem, honigartigem Duft, der bei den Nachtfaltern extrem beliebt ist.
Die Farbe gab der Nachtkerze auch ihren Beinamen Eisenbahnerlaterne. Ein unvergleichliches Schauspiel, das die hellen Blüten in der Dämmerung bieten – sie leuchten weithin und tauchen den Garten in eine fast mystische Atmosphäre.
Was den Standort betrifft, so ist die Nachtkerze nicht wählerisch – sie wächst gern an Wegrändern (oder Bahndämmen!), besiedelt aber auch Blumenbeete – solange es nicht zu schattig ist. Trotz ihrer nächtlichen Blüte hat sie tagsüber gerne einen Platz an der Sonne. Im Übrigen gehört die Nachtkerze zu jenen Gewächsen, die ich gern als „Büchse der Pandora-Pflanze“ bezeichne – wer sie einmal im Garten hat, der hat sie. Sie vermehrt sich beinahe unkontrolliert und wir müssen sie – schweren Herzens, aber doch – immer wieder eindämmen. Wenn man die einjährige Pflanze jätet, kann man die Wurzel übrigens gut verwerten – sie kann roh über einen Salat geraspelt werden oder auch als Gemüse kochen. Ihrem Reichtum an Inhaltsstoffen verdankt sie auch, dass man ihr nachsagt, in ihr stecke mehr Kraft als in zwei Zentnern Ochsenfleisch.
Man kann aber nicht nur die Wurzel essen, sondern auch die jungen Blätter. Sie schmecken fleischig und ein wenig schleimig (sie enthalten auch eine gute Menge an Schleimstoffen), können aber in Maßen gut in einen Salat gegeben werden. Auch die Blüten werten einen Salat optisch auf, aber das finde ich fast ein bisschen schade – ich mache lieber Likör oder Sirup daraus. Allein schon der Geruch ist herrlich!
Später im Jahr, wenn die Nachtkerze Unmengen an Samen ausbildet, kann man diese ebenfalls gut verwenden. Als Topping aufs Brot oder auch über den Salat gestreut oder aber auch als Peeling in der Körperpflege. Bei der Vermehrungsfreude der Pflanze schadet es auch gar nichts, wenn man ein paar Samenkörner vorzeitig aus dem Verkehr zieht 😉
Aus den Samen presst man übrigens auch das in der Medizin so geschätzte Nachtkerzenöl. Es wird erfolgreich bei Hauterkrankungen eingesetzt, sogar bei Neurodermitis gibt es Indikationen.
Alles in allem ist die Nachtkerze also eine Pflanze, die – in Maßen – jeden Garten bereichert und für wunderschöne Akzente sorgt.
